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Ursula bei ORF Konkret - Chiasamen


Ursula Pabst als Ernährungsberaterin bei ORF Konkret zum Thema Chia-Samen.



Chia-Samen sind angeblich wahre Nährstoffe-Bomben: Was ist da dran und was bringts?
Chiasamen gelten als sogenanntes Superfood. Der Begriff ist jetzt nicht geschützt, bedeutet aber, dass ein Lebensmittel eine besonders hohe Nährstoffdichte oder von einem Nährstoff eine außergewöhnlich hohe Menge enthält.
Chia-Samen sind ölhaltige Samen, die wie Leinsamen auch besonders viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3- und Omega-6 Fettsäuren enthalten.
Bei Erwähnung der Inhaltsstoffe ist allerdings nicht nur der Gehalt im Lebensmittel interessant, sondern auch, wieviel man üblicherweise vom Lebensmittel verzehrt.

Die Aussage, Chiasamen enthalten 5x mehr Calcium als Milch, mag auf den ersten Blick beeindrucken.
Allerdings ist es auch viel realistischer, täglich 100ml Milch zu konsumieren, als 20g Chiasamen zu essen.

Chia-Samen sollen bis hin zu Krebs auf viele „Leiden“ eine positive Wirkung haben – sind das unseriöse Heilsversprechen?
Heilversprechen, die nicht ausdrücklich erlaubt und durch Studien belegbar sind, sind im Sinne der EU-Health-Claims-Verordnung sogar verboten. Gerade im Internet schrecken die Anbieter aber oft vor nichts zurück und preisen ihre Produkte mit außergewöhnlichen Wirkungen an, oft auch mit irreführenden Aussagen.
Studien beleuchten dabei oft nur einzelne Faktoren und einzelne Inhaltsstoffe. Und die können auch in anderen Lebensmitteln drin stecken.

Zum Beispiel gibt es eine Studie aus 2005, die in der Zeitschrift Nutrition Research veröffentlicht wurde: sie sagt, dass Chia viel Alpha-Linolensäure enthält. Das ist eine Omega-3-Fettsäure, von der man weiß, dass sie positiv bei Herz-Kreislauferkrankungen wirkt und auch gegen Krebs positiv wirkt. Ob diese Fettsäure allerdings aus Chiasamen, Leinsamen oder Rapsöl kommt, ist für den Körper aber egal.

Das heißt: Chia-Samen können zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen, aber isoliert betrachtet kann man nicht einem einzelnen Lebensmittel sämtliche Wirkungen zuordnen.

Warum springen die Menschen immer wieder auf „neue/alte“ Ernährungswunder an? Was spielt da mit?
Was vor 10 Jahren die Cranberries und Quinoa, vor 5 Jahren die Goji-Beeren, vor 3 Jahren dann die Acai-Beere war, das ist jetzt Chia. Das neue Wunderlebensmittel, das so viele Nährstoffe enthält … Man fragt sich wie man bisher ohne überlebt hat.
Es ist sicherlich ein Trend, dass immer mehr Menschen auf gesunde Ernährung achten. Es gibt halt einfach ein gutes Gefühl, wenn man etwas Supergesundes isst. So als Ausgleich für die kleinen Sünden des Alltags, den Stress und so weiter.
Neue Produkte füllen dann auch gleich die entstandene Lücke: jetzt kommen halt statt Nüssen Chiasamen ins Müsli, und statt Kürbiskernen kommen sie aufs Weckerl.
Wobei die Werbung sicherlich auch neue Wege geht. Ich hab jetzt noch keine Fernsehwerbung für Chia gesehen. Das sind eher neue Wege, Social Media – Bewegungen und so. Wenn der Fitness-Guru im Online-Sport-Blog das neue Mittel anpreist und die ersten Hollywoodstars damit gesichtet werden, dann kanns ja gar nicht so falsch sein.

„Wunderpflanze der Atzeken“ wäre so eine Werbebotschaft – was will man damit suggerieren?
Die neuen Superfoods haben alle eines gemeinsam. Sie sind alt, kommen von weit her und bringen eine Geschichte mit, warum sie so toll sind.
Ein Trend in der Ernährung ist ja auch das Zurückbesinnen auf das Ursprüngliche und wenig verarbeitete. Wir Europäer haben ja zum Glück meistens die Wahl. Wir können es uns leisten, uns für das zu entscheiden, was wir möchten. Kommen die Chiasamen halt von weiter her.
Die Azteken hatten nur Bohnen, Mais und auch Chiasamen, und die waren praktisch und lieferten viele Nährstoffe. Aber ich trau mich wetten, wenn ihnen damals wer ein Schnitzel angeboten hätte, sie hätten es gegessen ;)

Kann es auch ein „zuviel“ an vermeintlich gesunder Ernährung geben?
Mittlerweile gibt es sogar schon ein Wort für das krankhafte Gesundessen: Orthorexie .
Die Abgrenzung ist hier bestimmt schwierig, aber wenn jemand sein Leben nur mehr nach dem ausrichtet, wie man gesund isst und alles ungesunde weglässt, dann ist das Resultat selten eine ausgewogene Ernährung. Selten fühlen sich diese Personen dann auch wirklich gesund, weil sie ja hinter jeder Ecke etwas ungesundes vermuten.

Wenn die Chia-Samen schon so alt wie die Stzeken sind – warum gibt es bis dato keine verlässlichen Langzeit-Studien?
Klar gibt es Studien. Aber Langzeitstudien gibt es einfach deswegen nicht, weil sich vor 10 Jahren noch niemand dafür interessiert hat. Zumindest nicht für die menschliche Ernährung.
Die bisherigen Studien beziehen sich allerdings meist auf einzelne Inhaltsstoffe. Zum Beispiel wurde bestätigt, dass die Omega-3-Fette gut fürs Gehirn sind.
In Tierversuchen oder Laborstudien an einzelnen Zellen zeigten die Inhaltsstoffe dieser Lebensmittel oft große Effekte – aber kein Mensch verspeist in Wahrheit regelmäßig die dort getesteten Mengen. Die physiologische Wirkung hält dann auch nur für die Dauer der Einnahme. In Tier- oder Zellstudien, wie gesagt.

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