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Abnehmen mit den Genen. Nutrigenomik, Gentests zum Abnehmen, oder ist das alles doch nur ein Schmäh?


Es klingt verlockend: ein Gentest spuckt den Stoffwechseltyp aus, und schon weiß man was man essen muss um abzunehmen. Leider sagen das die Lifestyle-Gentests genau nicht.

Allgemeine Empfehlungen waren gestern. Heutzutage wird individualisiert. Die Idee, die persönliche Ernährung nach den Genen zu richten, scheint viele Menschen zu faszinieren und Anbieter von Gentests freuen sich. Der Test ist einfach, eine Speichelprobe auf Wattestäbchen wird in ein Labor geschickt und analysiert. Manchmal muss noch ein Fragebogen ausgefüllt werden. Der Aufwand ist nicht groß, der Benefit leider aber auch nicht – allerdings sind diese Tests mit 200 Euro aufwärts doch ziemlich teuer.

Nutrigenomik heißt die Wissenschaft die den Zusammenhang zwischen Ernährung und Genen erforscht. Ein spannendes Gebiet, das sich immer weiter entwickelt. Einige Firmen machen eine recht lukrative Geschäftsidee draus und spielen mit den Wünschen und Sehnsüchten ihrer Kunden, nun doch endlich den Weg zur Idealfigur zu finden, denn den wenigsten geht es nur um „gesunde Ernährung“.

Kritik: Schon 2006 hat das Government Accountability Office (GAO, Untersuchungsorgan des US-Kongresses) die Aussagekraft von Gentests überprüft und Proben von angeblich 14 Personen an vier Labors übermittelt. In Wahrheit stammten die Proben jedoch nur von einem Mann und einer Frau. Dennoch fielen die Diagnosen und Empfehlungen unterschiedlich aus. Nicht einmal innerhalb jedes Geschlechts gab es ähnliche Ergebnisse. Das allein kann zu denken geben.

Die Tipps und Empfehlungen sind zudem oft sehr allgemein gehalten. Tipps wie mit dem Rauchen aufzuhören, mehr Kohlenhydrate oder doch mehr Eiweiß zu essen, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen oder die Einordnung in Typ Ackerbauer oder Steinzeitjäger sind wohl nicht gerade das, was sich der Kunde unter persönlichen Ernährungsempfehlungen vorstellt. Auch wenn die Aussagen vielleicht nicht falsch sind, sind sie dennoch nichts großartig Neues, mit denen sich die Ernährung nachhaltig umstellen lässt.

Was diese Tests gänzlich vernachlässigen ist der Fakt, dass Ernährung als Teil des Lebensstils und Teil des persönlichen Ausdrucks nicht nur das Aufnehmen von Nährstoffen bedeutet. Essen ist ein sozialer und persönlicher Bereich des Lebens. Auch psychologische Einflüsse spielen eine wesentliche Rolle, wenn es um Gewichtsregulation geht.

Am Ende entscheidet allerdings nur welche Strategien am besten helfen, um sich nachhaltig zu motivieren, den Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Möglicherweise ist diese Motivation umso stärker, je eher man das Gefühl hat, individuelle Empfehlungen zu befolgen, auch oder vielleicht gerade wenn man dafür viel Geld zahlen muss.

Unsere Betrachtung bisher beschäftigt sich allein mit Lifestyle-Gentests, welche suggerieren, mit den Ergebnissen eine Ernährung zum Zwecke der Gewichtsreduktion zu erreichen. Es gibt durchaus Hinweise, dass bestimmte Gene die Verwertung der Nährstoffe beeinflussen können, oder dass bestimmte Gene das Risiko für Krankheiten beeinflussen können. Es gibt beispielsweise ein Gen das die Freude am Essen beeinflusst – der Effekt ist, dass Personen mit dem Gen im Schnitt zwei Kilogramm mehr wiegen - den Unterschied zwischen gefährlichem Übergewicht und gesundem Bereich macht das Gen also auch nicht aus. Medizinisch gesehen ist durchaus interessant, dass Menschen mit bestimmten Genvarianten Probleme im Folsäure-Stoffwechsel haben und damit der Homocystein-Abbau gehemmt ist was das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen kann. Genauso können Gendefekte zu einer Stoffwechselkrankheit führen, die mit angepasster Ernährung verhinderbar ist (Stichwort: Phenylketonurie). Hier wird nur auf ein Gen getestet und die Aussage ist sehr klar und die entsprechenden Maßnahmen zielführend.
Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes oder Krebs sind meist nicht nur eine Genveränderung, sondern auch auf bestimmte Lebensstil-Faktoren zurückzuführen.

Fazit: wer unbedingt einen weiteren (teuren) Befund für die Hypochonder-Mappe kaufen will, kann das gern tun. Die Tests schaden nicht und auch die Aussagen sind nicht wirklich gefährlich. Die Tests die wir bisher gesehen haben, konnten allerdings den Wunsch nach einer individuell strukturierten Ernährung nicht erfüllen.

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