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Divertikel – wenn ein träger Darm Signale setzt

Jeder zehnte unter 50-jährige und jeder zweite 80-jährige hat sie – sogenannte Ausstülpungen im Darm, auch Divertikel genannt. Das gute ist, bei ca. 75% der Betroffenen verlaufen sie symptomlos und unkompliziert, d.h. eine besondere Behandlung ist nicht notwendig.

Doch wie entstehen Divertikel?
Unter Divertikel versteht man eine Ausstülpung der Darmwand im Dick- oder Dünndarm. Als Ursache wird häufig eine chronische Verstopfung (Obstipation) beobachtet, die aus einer Störung der Darmbeweglichkeit aber auch aus Übergewicht, ballaststoffarmer Ernährung, Rauchen oder Alkoholkonsum entsteht. Durch den harten Stuhl steigt der Druck im Darm und die Schleimhaut stülpt sich nach außen. Entzünden sich diese Divertikel, so spricht man von einer Divertikulitis. Sie geht häufig mit Symptomen wie Fieber, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall und eventuell Schmerzen - meist im linken Unterbauch - einher. Eine unterstützende Ernährung ist besonders wichtig in der Therapie, worauf jedoch geachtet werden soll hängt vom jeweiligen Erkrankungsstadium ab.

Chronische Divertikelerkrankung ohne Entzündung
Liegt eine Divertikelerkrankung vor, die ohne Schmerzen verläuft, so wird eine gesunde, abwechslungsreiche Kost ohne spezieller Einschränkungen empfohlen. Hier gilt es präventiv zu arbeiten und Verstopfung und die Entstehung schmerzhafter Entzündungen zu vermeiden. Studien zeigen, dass eine ballaststoffreiche, fett- und fleischarme Kost vor Divertikelbildung schützt.

  • Ballaststoffe gegen Verstopfung:Ballaststoffe, die in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten enthalten sind wirken stuhllockernd und regen die Darmbewegung an. Sie sollten daher Bestandteil jeder Mahlzeit sein. Empfohlen wird für Erwachsene eine Aufnahme von mindestens 30g Ballaststoffen pro Tag. Diese Menge ist leicht zu erreichen, wenn täglich Gemüse, Obst, Vollkornbrot und Salat gegessen wird.
  • Trinken fördert die Darmtätigkeit: Die empfohlene Trinkmenge liegt bei 1,5 - 2 Liter Wasser und ungezuckerten Tees pro Tag. Eine hohe Trinkmenge regt die Darmtätigkeit an und bewirkt, dass Ballaststoffe im Darm quellen können. Tipp: lassen Sie Müsli, geschrotete Leinsamen oder Flohsamenschalen über Nacht in Wasser quellen, dadurch sind sie leichter verdaulich. Auch ein Glas Wasser vor dem Frühstück regt die Darmtätigkeit an.
  • Bewegung für einen bewegten Darm: Vor allem Ausdauersportarten wie Schwimmen, Joggen oder Walken regen die Darmbewegung zusätzlich an und fördern eine gute Verdauung.
  • Lebensmittel die den Darm belasten: Hierzu zählen Zucker, fettreiche Speisen, helles Brot, Softdrinks und schwer verdauliche, fettreiche, stark fasrige oder geräucherte Fleischteile. Eine Reduktion dieser Lebensmittel unterstützt den Darm positiv.
  • Alkohol senkt die Darmbewegung: Gegen ein Gläschen Alkohol beim Feiern ist bei einer Divertikelerkrankung nichts einzuwenden. Allerdings führt regelmäßiger Alkoholkonsum zu einer Schädigung der Magen- und Darmschleimhaut, senkt die Darmbeweglichkeit und hemmt die Nährstoffaufnahme. Daher in Maßen genießen.

Ich vertage keine Ballaststoffe – was soll ich tun?
Sie versuchen ihre Ernährung ballaststoffreicher zu gestalten und leiden plötzlich an Blähungen oder Verstopfung? Das sind typische Effekte einer zu schnellen Steigerung des Ballaststoffanteils in der Ernährung. Der Darm muss sich erst an die neue Situation gewöhnen – genauso, wie sich ihr Geschmackssinn erst an mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte gewöhnt. Durch den höheren Anteil pflanzlicher Fasern wird die Darmbewegung gesteigert und auch die Zusammensetzung der Darmbakterien verändert sich zum Positiven. Geben Sie ihrem Darm Zeit – in der Regel dauert es 1-3 Wochen, bis sich die Beschwerden legen. Sie können allerdings ihrem Darm helfen, indem Sie den Anteil an Ballaststoffen langsam steigern und somit die Beschwerden mildern.

Tipps und Tricks um den Darm langsam an mehr Ballaststoffe zu gewöhnen:
  • 50 – 100g Gemüse oder Obst zu jeder Mahlzeit sind eine gute Basis. Sobald sie diese Menge gut vertragen steigern sie langsam weiter. Hartgesottene schaffen am Ende 200 – 250g Gemüse bei einer Mahlzeit 😊
  • Leicht verdaulichen und gekochten Gemüsesorten den Vorzug geben: Karotten, Sellerie, Pastinake, Zucchini, Kürbis, Fenchel oder rote Beete sind leicht verdaulich und eignen sich daher gut für die Eingewöhnungsphase des Darms. Oft hängt die Verträglichkeit von der Tageszeit ab, z.B. Mittags ist rohes Gemüse leichter verträglich als Abends. In diesem Fall greifen sie Abends zur gekochten/gedünsteten Variante.
  • Blähendes führt zu Blähungen: Zwiebel, Lauch, Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen,…) und Kohlarten zählen zu den blähenden Lebensmitteln. Auch hier gilt – gekocht und in kleinen Mengen werden sie besser vertragen. Wer einen höheren Anteil an leichter verdaulichen Gemüsesorten in der Ernährung gut verträgt, kann sich auch hier über größere Mengen wagen.
  • Vollkornprodukte mit nicht sichtbarem vollem Korn: Es gilt, je feiner das Korn vermahlen ist, umso weniger muss sich der Darm anstrengen. Wer von Semmel und Weißbrot auf Vollkornbrot, Vollkornnudeln und Co. umsteigen möchte, kann mit fein vermahlenem Vollkornbrot oder Grahamweckerl beginnen. Auch Vollkornnudeln werden meist gut vertragen.
  • Kleie und Samen brauchen Wasser: Haferkleie, Leinsamen, Flohsamenschalen usw. sind mineralstoffreiche Ballaststoffquellen, die sehr positiv auf unsere Darmtätigkeit wirken. Wichtig ist, diese mit viel Flüssigkeit aufzunehmen oder einige Stunden in Wasser quellen zu lassen, damit es nicht erst recht zu einer Verstopfung kommt.
  • Unser Darm liebt Wasser: Eine hohe Trinkmenge von 1,5 - 2 Litern Wasser und ungezuckerten Tees ist wichtig, damit ihr Darm die ballaststoffreiche Ernährung gut verwerten kann und Blähungen gegengesteuert wird.
Akute Entzündung
Liegt eine akute Divertikulitis vor, so sollte der Darm in der Akutphase unbedingt entlastet werden. Bei einem schweren Verlauf, ist in der ersten Phase eine Nahrungskarenz von Vorteil. Bei stationärem Aufenthalt wird die Nährstoffzufuhr über Infusionen gedeckt. Bei leichten Verläufen konnte gezeigt werden, dass eine leichten Vollkost den Darm beruhigt.

Tipps um den Darm zu entlasten:
  • Ballaststoffarme Lebensmittel zur Darmberuhigung: Zwieback, Kompott, Obstmus und Püree gelten als leicht verdauliche Speisen.
  • Trinken ist wichtig: Kräutertees wie Fenchel-, Kamillen- oder Käspappeltee beruhigen den Darm.
  • Fettarme Milchprodukte als Eiweißquelle: Diese sind gut verdaulich und sättigend.
  • Püree, Mus und Co.: Kartoffelpüree, Gemüsepüree, Obstmus und Kompott liefern wichtige Vitamine und sind gleichzeitig leicht verdaulich.
  • Den Darm nicht reizen: Bei scharfen, fettreichen, blähenden Lebensmittel strengt sich der Darm zu sehr an und es kann schmerzhaft werden.

Hat sich der Darm beruhigt und die Entzündung ist im Abklingen, so kann langsam der Ballaststoff-anteil in der Ernährung erhöht werden. Ziel ist es, denn Stuhl im Dickdarm weicher und voluminöser zu bekommen um neuen Schüben vorzubeugen.

Fazit
Die Ernährung bei vorliegenden Divertikeln hängt stark von der Erkrankungsphase ab. Es gilt jedoch, Verstopfung zu vermeiden um Entzündungen der Divertikel vorzubeugen. Liegt keine Entzündung vor, so kann alles gegessen werden. Der Fokus liegt auf einer regelmäßigen Verdauung und einem hohen Ballaststoffanteil in der Nahrung. Bei vorliegender Entzündung geht es um eine Schonung des Darms durch einen niedrigen Ballaststoffanteil in der Akutphase. Nach Abklingen der Entzündung wird der Anteil an Ballaststoffen in der Ernährung wieder erhöht. Die folgende Tabelle zeigt, welche Lebensmittel in welcher Erkrankungsphase geeignet bzw. weniger empfehlenswert sind.

Divertikelerkrankung ohne Entzündungen & Beschwerden
  • keine Einschränkung
  • Fokus auf ballaststoffreiche Ernährung

Divertikelerkrankung ohne Entzündungen, aber bei chronischer Verstopfung. Folgende Lebensmittel sind NICHT geeignet:
  • Zucker
  • Softdrinks, Säfte
  • helles Brot
  • fettreiches Essen
  • Alkohol

Akute Entzündung – schwerer Verlauf: folgende Lebensmittel sind geeignet
  • flüssige Nahrung
  • klare, milde Suppe
  • Tee
  • Wasser
  • Trinknahrungen (Apotheke)
  • Infusionen

Akute Entzündung – schwerer Verlauf: folgende Lebensmittel sind NICHT geeignet
  • feste Nahrung

Akute Entzündung – leichter Verlauf: folgende Lebensmittel sind geeignet
  • Tee
  • Wasser
  • Suppe mild gewürzt
  • Kartoffeln
  • Haferbrei
  • pürierte oder leicht verdauliche Speisen
  • gekochtes Gemüse (Zucchini, Kürbis, Wurzelgemüse, Fenchel)
  • fettarme Zubereitung
Akute Entzündung – leichter Verlauf: folgende Lebensmittel sind NICHT geeignet
  • Tee
  • Rohkost
  • Salat
  • rohes Obst
  • Vollkornprodukte
  • fettige Speisen

Chronische Divertikelkrankheit in der entzündungsfreien Phase: folgende Lebensmittel sind geeignet
  • Gemüse
  • Hülsenfrüchte
  • Obst
  • Vollkornprodukte
  • Samen wie Leinsamen, Sonnenblumenkerne
  • Fisch
  • mageres Fleisch
  • viel Wasser
  • Chronische Divertikelkrankheit in der entzündungsfreien Phase: folgende Lebensmittel sind NICHT geeignet
    • Zucker
    • fettige Speisen
    • helles Brot
    • Fertigprodukte
    • Softdrinks
    • zu viel rotes Fleisch

    Quellen (Stand: 21.4.2020)
    https://www.netdoktor.de/krankheiten/divertikulitis/
    https://www.netdoktor.de/krankheiten/divertikulitis/ernaehrung/
    DiSiena, M., Birk, J.W. (2018). Diverticular Disease: The old, the New, and the Ever-Changin
    https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/verdauung/divertikulose-divertikulitis-darm
    https://www.ernaehrungs-umschau.de/print-artikel/13-08-2014-neue-leitlinien-gastroenterologie-leitlinie-zur-divertikelkrankheit-erschienen
    https://www.diaetologen.at/fileadmin/user_upload/documents/Kongress/Abstracts_Ernaehrungskongress/Kosi.pdf

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